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The Last Days Of Jesus - Alien Road
Strobelight / Indigo
- Irgendwo in meinem Schrank staubt noch das 1997er Debut "Arma Christi" dieses slovakischen Quartetts, einst mit dem Prädikat "schräg" versehen, vor sich hin. Hoffnungslos durchgeknallt präsentieren sich The Last Days Of Jesus auch auf ihrem neuen Longplayer "Alien Road", nur hat man diesmal erfreulicherweise nicht vergessen, dass auch der Hörer Spass am Hören haben soll.

Ich schätze mal, dass trotz der schon über zehn Jahre zurückliegenden Gründung der Band in Bratislava, genug Leute bis heute noch nie von The Last Days Of Jesus gehört haben - oder - wenn doch - deren Frühwerke, wie meine Wenigkeit, zu den eher selten gehörten Alben sortiert und dort vergessen haben. Das über Alice In... veröffentlichte "Arma Christi" konnte mich einst jedenfalls nicht sonderlich vom Hocker reißen. Umso positiver überrascht war ich also vom neuen Output "Alien Road", das bereits durch die optischen Aspekte wie Cover und Booklet ins Auge sticht. Ein rätselhafter Bandname, durchgeknallte Fotos, ein extraterristischer Albumtitel und vier Musiker, die offenbar scharf am Grat zum schizoiden vorbei geschrappt sind werfen zunächst viele Fragen auf.

Haben Bloody Dead And Sexy Geschwister in Osteuropa oder haben Cinema Strange zusammen mit Shock Therapy und Murder At The Registry ein Seitenprojekt gestartet? Oder hatte Sopor Aeternus einfach nur Sex mit einem Außerirdischen unter einer Hochspannungsleitung im Gruselkabinett? Zwölf Sekunden Intro ("Welcome To Earth") müssen reichen, um sich auf die Achterbahnfahrt "Alien Road" einzustimmen, nur um im Opener gesagt zu bekommen - "Everyday Is Halloween". The Last Days Of Jesus haben etwas zu sagen, viel zu kritisieren - doch tun sie dies auf eine verdammt sarkastische, ironische und für den Zuhörer oftmals amüsante Weise, mit einem breiten Grinsen und unübersehbaren Augenzwinkern.

Recht so, denn sich selbst nicht so ernst zu nehmen ist bereits ein rundum guter Ansatz und wenn dieser dann noch so unterhaltsam auf den Punkt gebracht wird, wie auf diesem Album, dann kann eigentlich kaum noch etwas schief gehen. "Alien Road" glänzt jedenfalls ganze 35 Minuten lang durch ein erstaunlich hohes Maß an Abwechslung, Innovation und - trotz aller Parallelen zu der ein oder anderen Deathrock- und Batcave-Combo - Eigenständigkeit. Neben "typischen" Deathrock-Elementen, schrägen Gitarren, psychotischen Vocals und verdrehten Rhythmen kommen auch allerlei elektronische Spielereien zum Zuge, ohne sich damit in irgend einer Form an den gängigen Electro-Trend in der Szene anzubiedern.

"Looter-To Gooder" klingt beinahe jazzig, "Mary Go Round" wie ein wahnwitzig gewordenes Windspiel im Kinderzimmer eines zukünftigen Massenmörders und "Alien Domestic Humanoid Sick" wie das niedliche Kettenkarussel auf einem amerikanischen Kleinstadtrummel in "Es 2011". Das erfreuliche an "Alien Road" ist jedoch, dass das Werk trotz allem Wahnsinn niemals uneingängig klingt. Im Gegenteil - zahlreiche Titel kann ich mir ausgesprochen gut im Programm einer Batcave- & Deathrock-Party vorstellen. Gäbe es in diesem, unseren Magazin soetwas wie ein "Album des Monats" in der Sparte Gothic-Rock, so wäre "Alien Road" dieser Titel absolut sicher gewesen - dringend anhören beziehungsweise anschaffen - hier ist Kultgefahr im Verzug!

Label: Strobelight Records
Vertrieb: Indigo
Spielzeit: 35:03
Titel: 12
VÖ-Datum: 17.05.04


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[http://lastdays.host.sk]
[www.strobelight-records.com]
18.05.2004 Marco Schwiers