BACK AGAIN

Compilation – NEW DARK AGE VOL. 2 (DCD 2004)

(Strobelight Records/Indigo)

Es ist schon beeindruckend, wie viele wirklich gute Veröffentlichungen das noch junge Label Strobelight Records in rund einem Jahr heraus gebracht hat. Screams For Tina, Murder At The Registry, Frank The Baptist und DeSade haben das Herz jedes Gitarren-Gothic-Fans höher schlagen lassen und der erste „New Dark Age“-Sampler hat tatsächlich gezeigt, dass es immer noch jede Menge gute Gruppen dieses zumindest in Deutschland eher belächelten Stils gibt. Nun liegt Teil 2 dieser Samplerreihe vor und bietet einmal mehr auf zwei CDs eine Mischung aus etablierten und neuen Bands und dazu einige Bands, die man getrost als Legenden bezeichnen darf. Auffallen tut, dass der elektronische Anteil bei vielen Bands größer geworden ist, so dass es sich nicht mehr um einen reinen Gothic-/Death-Rock-Sampler handelt, aber das ist ja nicht wirklich schlimm.

Los geht´s mit dem treibenden Sound von CAUDA PAVONIS, die dann auch gleich die erwähnten elektronische Elemente verarbeiten. Das klingt gut, aber eben nicht nach klassischem Gothic-Rock, sondern eher modern im Stile von Diva Destruction. Dafür klingen die Schweden FUNHOUSE wie immer nach dunklem Brit-Goth alter Schule, sicher eine der konsequentesten Bands der Szene und immer wieder gerne gehört. Leider habe ich sie noch nie live erlebt, denn nach allem, was man so hört, geht da die Party erst richtig ab! Zu den alten Helden gehören natürlich SKELETAL FAMILY, die hier erstmals nach vielen Jahren eine neue Aufnahme präsentieren. Klar, die Zeiten von „Far And Near“ und „Promised Land“ sind lange vorbei, aber dieser neue Track „All My Best Friends“ macht schon neugierig auf ein vielleicht irgendwann kommendes neues Album. Sehr druckvoll und dunkel. Ich muss aber gestehen, auch, wenn es unfair ist, dass die heutige Sängerin Claire nicht ganz an Anne-Marie aus den 80ern heran kommt, schlecht ist sie deshalb aber noch lange nicht. Auch zu den „alten“ Bands gehören inzwischen THE HOUSE OF USHER, die hier einen exklusiven Mix von „It Doesn´t Matter“ bieten. Relativ hart, bandtypisch aber etwas „matschig“ abgemischt, wer THE HOUSE OF USHER bisher mochte, wie ich, macht auch hier nix falsch. ADORATION kannte ich bisher nicht, aber ihr an den frühen 90er Jahre Brit-Goth-Sound mit dem Popappeal von The Mission bleibt gut im Ohr. Sehr schöne, verhallte Gitarren, etwas rauer könnte es für meinen Geschmack allerdings ruhig sein, aber das kommt live wahrscheinlich erst richtig gut rüber. FRANK THE BAPTIST konnten sich in kurzer Zeit eine solide Fanbasis in Europa aufbauen und auch hier beweisen sie mit „Signing Off“, dass man mit ihnen als feste Größe rechnen muss. Endlich wieder einmal eine richtig konsequente Band mit Starqualitäten, die sich vom Kommerzweg, den Gruppen wie London After Midnight, Crüxshadows oder Cinema Strange eingeschlagen haben, wohltuend abheben. ALAN WOXX aus Frankreich dürfte hingegen bisher eher wenigen Leuten bekannt sein, obwohl er Anfang der 90er Jahre eine der düstersten Dark Wave Platten überhaupt veröffentlicht hat und 13 Jahre später mit der Maxi-CD „Bloodrain“ bewiesen hat, dass er es immer noch kann. Klingt ein wenig nach Rozz Williams und ist ein Empfehlung für jeden Fan von echtem Gothic-Underground! Auch noch relativ unbekannt sind STIGMATA MARTYR. Abgesehen vom wenig einfallsreichen Namen kann die Band musikalisch jedoch absolut überzeugen. Schöner, klassischer Death-Rock, leider jedoch in nicht perfekter Abmischung. Musikalisch ähnlich, aber vom Sound her besser sind dann RADIO SCARLET. Genau diese Art von Gitarren liebe ich! Auf Frankreich stammen die SLEEPING CHILDREN, die sich schon einen gewissen Bekanntheitsgrad erspielen konnten. Auch sie mischen Death-Rock mit einigen elektronischen Elementen recht überzeugend. Eine Spur treibender und kraftvoller sind unsere argentinischen Freunde von CRUCIFIX NOCTURNAL CHRISTIANS, kombiniert mit dem hymnenhaften Frauengesang ergibt sich ein richtiger Hit, bei dem man aber noch etwas an der Produktion feilen könnte. Etwas überraschen tut dann, dass auf einer Compilation mit dem Thema (Old School-) Gothic-Rock plötzlich zwei (Minimal-) Electro Bands kommen. PLASTIKSTROM und GRAPHIK MAGAZIN sind beide sehr gut, fallen aber etwas aus dem Rahmen. Etwas Neues gibt es auch nach langer Zeit mal wieder von JACQUY BITCH, dem ehemaligen Sänger von Neva. Klingt ziemlich nach einer Mischung aus altem Batcave-Sex Gang Children-Virgin Prunes-Sound und angemetalten Gitarren und hat Hitcharakter für all die angesagten Death-Rock-Partys im Lande. Die Amis von THE VANISHING kann man nur als großartig bezeichnen und für mich ist das die einzige Band, die trotz überwiegend elektronischer Instrumentierung echten Death-Rock macht, großartig! KATZENJAMMER KABARETT aus Frankreich sind eine brandneue Band, die tatsächlich eine ausgesprochen seltsame Mischungs aus Gothic, Wave und Kabarett-Musik macht. Klingt sehr ungewöhnlich und erinnert ein bisschen an englische Post-Punk-Gruppen wie Bone Orchard und ähnliche, die Band sollte man mal im Auge und Ohr behalten, da dürfte noch einiges interessante kommen. Die erste CD endet mit den Engländern LEISUR::HIVE, die hier sehr düsteren Post-Punk vorstellen, der Lust auf mehr macht.

CD2 beginnt mit BELLA MORTE, die inzwischen sehr bekannt sind und einige sehr gute Stücke, aber auch immer einiges an Füllmaterial auf ihren Alben haben. Der hier vertretene Song ist nahe an normalem Alternative-Rock mit Punk-Einschlag und nicht besonders „gothic“. Da treffen TCHIKI BOUM schon wieder besser den Ton mit ihrem Horror-Rock, der ein bisschen an The Damned erinnert. Die deutschen ZADERA bieten eine sehr schöne Wave-Ballade, in die man sich aber erst ein bisschen hinein hören muss. Dann die Death-Rock Legende VOODOO CHURCH (neuerdings nicht mehr VOO-DOO?) mit einem neuen Song, der zwar gut ist, aber vielleicht etwas zu sauber produziert und deshalb ohne den Zauber der gesuchten 12“EP. DIEMONSTERDIE spielen kraftvollen, Misfits-beeinflussten Horror-Punk, der immer mehr Freunde findet, während QUIDAM sehr schrägen Gothic-Wave wie aus den frühen 80ern produziert haben, sehr schön. EAT YOUR MAKE UP gehören zu der Gruppe von Bands, die sich eindeutig dem Ami-Death_Rock-Stil verschrieben haben, eigenständiger sind da schon die unvergleichlichen THE PHANTOM LIMBS, die alleine schon wegen ihres Orgeleinsatzes genial sind, eine der besten Genre-Gruppen unserer Tage! Natürlich sind auch die sehr eigenwilligen und sehr guten Slowaken THE LAST DAYS OF JESUS auf dieser Compilation, die einen ganz eigenen Stil entwickelt haben, der aber schon auf Ami-Death-Rock aufbaut. Sehr hübscher, atmosphärischer Gitarren-Wave kommt von THE PRIDS, leider nicht im perfekten Sound. COLD sind bei mir ja über jeden Zweifel erhaben, und auch hier hören wir von ihnen wunderbaren Old School-Wave, der hier und da ein wenig an The Cure erinnert. THE EDEN HOUSE spielen griffigen Gothic-Rock, wie man ihn immer gerne hört, ebenso wie die Holländer GÖTTERDÄMMERUNG, die immer etwas unterschätzt werden und für mich zu den besten aktuellen Bands der Szene gehören. Irgendwo zwischen Fields Of The Nephilim (nicht nur wegen des Namens, der auch biblischen Ursprungs ist) und dem 90er Jahre Brit-Goth finden sich VOICES OF MASADA wieder, mir fehlt da etwas das Besondere und der Druck. Eine Gothic-Rock Band aus Russland ist doch mal was...THE UNHOLY GUEST kommen aus Moskau und haben sich hauptsächlich an den Größen der 80er Jahre orientiert, wobei sie ihre Sache gut machen. Mit THE WAY OF ALL FLESH und DR.ARTHUR KRAUSE (was für ein Name für eine schwedische Band!) klingt die Doppel-CD dann schließlich mit zwei soliden Gothic-Rock-Tracks aus.

Wie schon Teil 1 zeigt auch diese Compilation, das der klassische Gothic-Rock nicht totzukriegen ist und es immer noch gute Bands dieses Stil gibt, die sich allerdings auch anderen Einflüssen nicht verschließen. Für Fans des Genres essentiell! (A.P.)