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V.A. „New Dark Age Vol.1” Gothic/Deathrock
(Strobelight-records)


Dieser Sampler ist kürzlich im Orkus zum Sampler des Monats gewählt worden. Wer das Orkus kennt, weiß das solche Dinge meist auch etwas mit Schaltung von großen Werbeflächen zu tun hat. Da hat das Strobelight Label wohl auch tief in die Tasche gegriffen. Aber diesmal gehe ich mit Orkus konform und mehr noch, es ist wohl einer der besten Sampler im Death/Gothic-Rock Bereich der letzten Jahre.

Als erstes ein wichtiger Tipp, hört euch diesen Sampler an, ohne den Song von „Faces of Sarah“, solltet ihr es nicht tun, werden eure Ohren wie eine Zunge am Laternenpfahl im frostigen Winter hängen bleiben und immer wieder die Repeat Taste betätigen.

Denn Motto des Samplers ist „Entdecken, Zunge schnalzen und sein Dasein einzig als Auffanggerät von genialer Musik zu frönen. Gleichzeitig ist es eine geniale Zeitreise zu den Wurzeln der schwarzen Musik. Nein, hier werden nicht alte Hits lieblos zusammengestellt. Es sind die Bands, welche mal ganz nebenbei dem dunklen Mainstream heutiger Tage kräftig den Arsch versohlen.

Darf man in diesem Genre Refrains benutzen, die man den ganzen Tag nicht vergisst. Darf man Gefühle zeigen, die mal manisch, mal depressiv daherkommen und trotzdem einen Schuß Eigenironie in die Waagschale werfen. In einem Zeitalter, wo die über dreißigjährigen dafür entschuldigen müssen Gitarren gut zu finden und die Bochumer Zeche schwarzbekleidet und brechevoll nach Scooter-ähnlicher Musik ihre Xtra Fashion zum Wochenenddausflug benutzt, sind diese 34 Songs ein probates Mittel um ihnen auf die Schulter zu klopfen um zu sagen :“Hey, klasse wie du tanzt, aber weißt du auch warum du heute hier bist?“.

Des Lästerns Müde (sei mir bitteschön einmal gestattet) lege ich euch einfach diesen Sampler ans Herz. Als Opener dient das schräge „you’ll end up looking like....“ von SCARY BITCH, die zurecht den zweiten Teil ihres Namens tragen. Traditionellen Gothic Rock mit einer leicht metallischen (eher untypisch für die Band) Komponente bieten THE LAST DANCE. Die Australier von IKON zeigen sich sehr verspielt und mit einer poppigen Elektro-Goth Hymne. CHANTS OF MELDEROR liefern einen komplexen Wall of Sound, der unterschwellig dunkel vor allem durch seine Ausdruckskraft und den leicht verhallten, hingebungsvollen Vocals glänzt. BLACK ICE gehört wohl zu meinen größten Entdeckungen dieses Albums. Der Beginn etwas Western Gothic Like, dann wird die punkige Variante von Siouxsie in den Vordergrund gebracht. Fields of Siouxsie in einer einzigartigen Darbietung. SMILING GOTH dürften das erste Album von „The Creatures“ mehr als einmal gehört haben. CULTURE REVERSE besitzen einen stampfenden elektronischen Beat, der ein wenig an „No more“ erinnert und COLLAPSING NEW PEOPLE haben sich nicht umsonst so genannt. PENIS FLY TRAP lassen ihre ungestimmten Gitarren wahrhaft explodieren und lassen den punkigen, meist weiblichen Stimmen freien Lauf. ALTERED STATES sind dann eine persönliche Überraschung, ob diese positiv ist glaub ich nicht, zu weit ist man entfernt vom ersten Album oder Klassikern wie „Lowlife“. BELISHA haben zu Beginn etwas Probleme mit der Mischung Ballade/Bombast Dunkel-Rock. Der Spagat gelingt aber fortan mit einer eindringlichen Melodie und aggressiven Vocals. Lieblichkeit paart sich mit schrebbeligen Saiten bei AVARATIA. BATS IN BELFRY haben ihre IDEEN nicht nur in einem passenden Namen verpackt. Der Sound schwächelt allerdings hier und da und so kommt die Band nicht über den Demo Charakter hinaus. NOONE I KNOW setzen bei ihrem Song auf eine Mischung zwischen Cure und Sisters. Aber auch hier verliert sich eine Band im Dickicht der Huldigung.

Pause/ Wechsel zur zweiten CD

Wie soll man THE GHOST OF LEMORA erklären. Minimalismus als vertrackte Variante des Goth Rocks mit einer seltsamen songwriterischen Qualität. Nik, Andrew und Wayne bilden ein Sideprojekt. MURDER AT THE REGISTRY sind die deutsche Antwort auf Cinema Strange, allerdings um Längen besser. In die gleiche Kerbe schlagen TRAGIC BLACK. Folgenden Bands scheinen ein wenig die Ideen auszugehen, dagegen hilft die erfrischende Medizin von DESADE, eine explosive Mischung aus Fuzzbox und Primitives. Nach eingängigen Saitenriffs machen wir dann halt in der Heimat. REPTYLE sind mit einem perfekten Goth Rock Track vertreten. Lead und Bass-Gitarre ergänzen sich in perfekter Weise und liefern den roten Teppich für den einzigartigen Gesang. Ein dezentes Augenzwinkern an die punkige Frühphase der Bewegung kommt nicht von ungefähr. EXIT TO EDEN geht ebenfalls musikalisch in die Vergangenheit. Die Gitarren scheinen entsprungen aus „seventeen seconds“. Der bewusst gelangweilt klingende Gesang mit einer enormen Steigerung dürfte zeitlos sein. Auf dem ersten Ohr langweilig, auf dem zweiten in einer trancigen Melodie behaftet sind HATESEX. Die Melodie als unterwürfiger Vertreter des Leids kommt bei TRESPASS zu voller Geltung. FRANK THE BAPTIST gelingt es die alten Chameleons wieder auferstehen zu lassen, während BLOODY, DEAD AND SEXY die dreckige Seite des GOTH Rock thronen lassen. Und dann kommt er, der Song, der meiner Meinung nach alles in den Schatten stellt. THE FACES OF SARAH in einem Duett mit der Inkubus Sukubus ( bedeutet soviel wie der ALP im Alptraum)Sängerin. Ein in sich perfekter Song umgibt sich mit einer Melodie, saugt derart viel Leben aus den Saiten und bleibt trotzdem authentisch. Zwei wundervolle Stimmen wandern auf einem musikalischen Teppich, der den Hörer spielend oder fliegend in eine bessere musikalische Welt transportiert.

Habt ihr nach einem Gewitter im Sommer mal die frische Luft genossen. Dann wisst ihr wie ihr euch fühlt, nach Genuss dieser DCD, welche ganz nebenbei zum Preis einer CD im Handel kommt.
Info: www.strobelight-records-com (andreas)