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MURDER AT THE REGISTRY – Filed: ´93 - ´03 (CD 2003)

(Strobelight Records/Indigo)

Es wurde wirklich mal Zeit, dass eine der ganz wenigen wirklich guten deutschen Gothic-Rock-Bands eine „richtige“ CD raus bringt. MURDER AT THE REGISTRY sind seit mehr als 10 Jahren im Underground aktiv und konnten sich mit unzähligen Gigs und selbst produzierten Tapes und CD-Rs einen guten Namen und treue Fans erspielen. Dass sie trotzdem nie bei einem Label gelandet sind, ist schwer zu verstehene, erklärt sich aber wohl dadurch, dass derartige Musik unter deutschen Gruftis seit einiger Zeit kaum noch angesagt ist und man lieber zu den immer gleichen Dark-Electro- und Future-Pop-Schwachmaten abtanzt. Ich habe mich darüber schon oft genug geäußert, lassen wir das also an dieser Stelle.

Fakt ist, dass mit Strobelight-Records ein neues Label existiert, das wohl auf dem Gothic-Rock Sektor bald die alleinige Herrschaft übernehmen wird, wenn die Veröffentlichungen qualitativ so hochwertig bleiben, wie die Frank The Baptist CD und eben dieses Album von MURDER AT THE REGISTRY. Zudem bin ich mir sicher, dass man sich an puren Gothic-Rock halten wird, ohne auf den nervigen Gothic-Metal-Zug aufzuspringen, auch wenn das wahrscheinlich kommerziell viel versprechender wäre.

„Filed: ´93 - ´03“ ist erstmal eine Rückschau auf die letzten zehn Jahre MURDER AT THE REGISTRY. Die CD enthält komplett die beiden früheren Eigenveröffentlichungen „Always On The Brink“ und die „Blessed & Cursed E.P.“, dazu neueres Material, die so genannte „The Black Breakfast E.P.“.

Ich denke, das ist legitim, auch wenn die älteren Fans wohl lieber mehr neues Material hören würden. Trotzdem gibt es noch unzählige Menschen, die die früheren Sachen nicht kennen und so die Chance haben, einige grandiose Songs kennen zu lernen, die zu den besten gehören, die in den 90ern im Bereich Gothic-Rock erschienen sind, allen voran „Cupido“, der der Band den unseligen Vergleich mit den frühen Christian Death eingebracht hat. Nun gut, wenn schon, dann würde ich eher Shadow Project als Vergleich heran ziehen, aber insgesamt hat die Gruppe schon einen sehr eigenen Stil entwickelt, der sich zwar aus allen möglichen Quellen bedient, aber zu etwas neuem vermischt. Gothic-Rock oder auch Death-Rock steht schon durchgehend groß über jedem Song, aber meiner Meinung nach gibt es sowieso viel zu wenige wirklich gute Bands dieses Stils in unserer Zeit. Zudem werden auch so einige New Wave-Einflüsse aufgenommen, ebenso wie Punk und, zumindest der Waschzettel nennt es, 60s/Psychedelic-Elemente, wobei mir letzteres persönlich nicht so sehr auffällt.

Wie auch die Kollegen von Bloody Dead And Sexy haben MURDER AT THE REGISTRY einige deutschsprachige Songs dabei, was bei dieser Musik immer noch ungewöhnlich ist. Hier wird es aber sehr gut umgesetzt.

Schön auch, dass das Booklet sehr informativ ist und zudem die Cover der Original Veröffentlichungen beinhaltet. Alles in allem also ein perfekter Rückblick auf zehn Jahre Geschichte einer der besten deutschen Bands. Nun wird es aber Zeit, dass möglichst bald ein komplett neues Album hinterher geschoben wird! Bis dahin ist „Filed: ´93 - ´03“ aber der Pflichtkauf des Jahres für alle, die mit Gothic-Rock nicht nur HIM verbinden. (A.P.)