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HUMAN DISEASE – Our Flesh Deception (CD 2004)

(Strobelight Records/Indigo)

Nach ihrer 2000er Demo-CD legen die Italiener HUMAN DISEASE nun auf Strobelight Records, wo auch sonst, ihr Debutalbum „Our Flesh Deception“ vor. Die Band aus dem Umfeld der Gothic-Rock-Meister Spiritual Bats und Chants Of Maldoror hat hohe Erwartungen ausgelöst und die kann sie vollkommen Erfüllen. Schon lange gab es kein so eigenständiges und unterhaltsames Gothic-Rock Album mehr, das sich weit entfernt hält von allen kommerziellen Anflügen. Dass italienische Gothic-Rock-Bands schon immer einen ganz eigenen Sound hatten, der eher an den amerikanischen Death-Rock, als den britischen Stil angelehnt war, weiß man nicht erst seit Sturm Und Drang, Dead Relatives, Deviate Ladies (erstes Tape), Giardino Violetto oder eben Chants Of Maldoror und Spirtual Bats. HUMAN DISEASE perfektionieren diesen Stil nun nahezu. Mit einigen Einflüssen von Rozz Williams´ Christian Death, aber auch Bands wie Gene Loves Jezebel und vor allem wunderbaren Gitarren, dunkel wummernden Bass und gar nicht klischeehaften Gesang begeistert die Band von Anfang an. Obwohl die Band den Stil natürlich nicht neu definiert, kann man aber doch sagen, dass sie frischen Wind in die Szene bringen wird. Zwischen verzweifelter Stimmung und rockig abgehenden Momenten begeistern vor allem die Melodien, die man spätestens nach dem zweiten Anhören fest im Ohr hat. In Deutschland wird das Album wohl nur eine relativ kleine Hörerschaft ansprechen, zu sehr sind die Clubs und damit auch die meisten „Szeneangehörigen“ von Future-Pop und Gothic-Metal verseucht. So werden auch seit Jahren musikalisch mit HUMAN DISEASE verwandte Bands wie Judith oder Mors Syphilitica (beide aus Requiem In White hervorgegangen) sträflich vernachlässigt. Ein bisschen Hoffnung habe ich aber doch, denn immerhin haben sich in den letzten Jahren Bands wie Cinema Strange, Faith And The Muse, Frank The Baptist und einige wenige andere eine kleine Fanschar erspielt, von den inzwischen offenbar in anderen Sphären lebenden London After Midnight und Crüxshadows gar nicht zu reden.

Keine Frage, es gibt noch ein kleines Publikum für guten alten Gothic- und Death-Rock und HUMAN DISEASE dürften da recht bald zu den verehrten Gruppen gehören. Obwohl die Band sich deutlich an den 80er Jahren orientiert, klingt die Musik doch modern und überhaupt nicht altmodisch. Einziger kleiner Kritikpunkt ist vielleicht, dass die Produktion der Songs hier und da etwas mehr Druck vertragen hätte, aber ansonsten. Wer sich beispielsweise noch an die Italiener Holylore erinnert, weiß in etwa auch, was ihn hier erwartet. Mit “Disclosed In Flesh (Sexual Utility)“ ist dann auch noch ein Uptempo-Song dabei, der sicher bald die Tanzflächen auf all den Batcave-Death-Rock-Old-School-Goth-Parties füllen wird.

„Our Flesh Deception“ ist definitiv ein durchgehend spannendes Album, das garantiert noch von sich reden machen wird. Und jetzt müssen die Italiener bloß noch auf Tour kommen und alles wegblasen, was in den letzten Jahren als Gothic- oder Death-Rock durchgegangen ist. (A.P.)