Blacklight


Götterdämmerung - Kin-Burst 9104
Strobelight / Indigo


- Mit Götterdämmerung ist nicht etwa eine neue Deathrock-Kapelle an den Start gegangen, sondern eine der dienstältesten niederländischen Gothic-Rock Bands meldet sich mit einem kleinen Schaffensüberblick zurück auf der Bildfläche, um uns mittels wundervoll angestaubter Sounds auf ein brandneues Album im nächsten Frühjahr vorzubereiten.


Die Einen mögen noch nie von Götterdämmerung gehört haben, die Anderen mögen sich an das Debüt-Album "A Body And Birthmark" aus dem Jahre 1994, erschienen auf dem längst verblichenen Label Dion Fortune Records, erinnern und Dritte haben vielleicht kürzlich auf dem diesjährigen Zillo-Festival erste Bekanntschaft mit Götterdämmerung gemacht, wo das Trio am Festival-Sonntag immerhin einen würdevollen Eröffnungs-Gig absolvierte. "Kin-Burst 9104" gibt allen ein wenig Geschichtsunterricht und bringt vor allem eine ganz klare Message mit, die offenbar lautet: "Wir sind noch längst nicht Vergangenheit!".

Und das ist gut so, denn Götterdämmerung spielen sich auf ziemlich coole Art und Weise den Allerwertesten ab, scheuen keine experimentellen Ausflüge und finden doch immer wieder zum roten Faden, der sich durch ihre Musik zieht, zurück. "Kin-Burst 9104" beinhaltet neben ausgewählten Titel ihrer beiden bisherigen Fulltime-Alben zahlreiche bislang unveröffentlichte oder zumindest nicht auf CD erhältliche Tracks, womit diese Compilation auch für diejenigen, die längst zum engeren fankreis der Niderländer gehören, attraktiv bleibt. Zumal sich unter den bislang nicht erhältlichen Titeln ein paar ausgesprochene Perlen befinden, die ganz klar zu den Highlights ihres bisherigen Schaffens gehören.

Die im August 1991 gegründete Band gibt als Referenzen The Sisters Of Mercy, Siouxsie & The Banshees, Big Black und Sonic Youth an, wobei die Bezüge zu den erstgenannten in vielen Stücken am deutlichsten hervortreten. Manchmal meint man gar, gerade eine alte Sisters-Scheibe, die seit 13 Jahren in der Ecke verstaubt ist, wieder entdeckt zu haben. Dennoch, Götterdämmerung sind wagemutig und gleichermaßen klug genug, um sich nicht zu sehr an diesen oder jenen Vorbildern zu orientieren, sondern eigene Ideen und neugierige Ausflüge in fremde Gefilde auszuleben.

Während "Lesser Deity" eine der kraftvollsten und gelungensten Old-School Gothic-Rock Nummern ist, die mir seit langem untergekommen ist und "Left Hand Rapture" den klassischen Post-Punk rezitiert, wartet "Skincree" mit elektronischen Spielereien auf, was zu einem melodisch-dynamischen Endergebnis führt. Immer für eine Überraschung gut liefern Götterdämmerung mit "Rogues In A Nation" eine beinahe schon mittelalterliche Nummer ab, die lediglich aus dumpfen Paukenschlägen und kindlich-mittelalterlichen Frauenchören besteht. Christian Death meets Substance Of Dream trifft es im flotten "Echoes Of Despair" wohl recht gut, während "Bodybag 04" ganz klar elektronische Break-Beats in den Vordergrund stellt, was in Verbindung mit dem klassisch dunklen, typisch deathrockig schrägen Gesang nach Prodigy auf einem Batcave-Trip klingt.

Das Werk endet in einer 14 Minuten langen Nummer namens "Vision Of Wane (Original Score)" und läßt mich höchst gespannt auf das bevorstehende brandneue Album hinfiebern, in der Hoffnung, dass man sich nicht allzu weit von den im Gothic-Rock, Post-Punk und Noise liegenden Wurzeln entfernt haben wird. Ein Tip für alle Liebhaber der guten alten Sisters, für die Anhänger von Christian Death, die Fans von Bloody Dead And Sexy und all diejenigen, die sich an den beiden Alben von Diva Destruction langsam satt gehört haben und die Wartezeit auf derene neuen Output sinnvoll überbrücken bzw. mit musikalisch hochwertigem Inhalt füllen wollen. Eine verdammt coole Scheibe.

Label: Strobelight Records
Vertrieb: Indigo
Spielzeit: 71:04
Titel: 15
VÖ-Datum: 06.09.04

16.09.2004 Marco Schwiers