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FRANK THE BAPTIST "Different degrees of empty"
(Strobelight/Indigo)

FRANK THE BAPTIST aus San Diego/USA geistern schon seit einiger Zeit durch den Gothic-Rock-Underground. Mit einigen selbst produzierten CD-EPs konnten sie schon so manchen Liebhaber dieser Musikrichtung erfreuen und auch die einschlägigen Musikmagazine haben wohlwollend berichtet. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich ein Label der Gruppe annimmt und endlich ein komplettes Album der Amis veröffentlicht. Dass es ein europäisches Label ist, ein sehr junges dazu, ist wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass in den letzten Jahren einige amerikanische Gothic-Bands ihre Debuts hier veröffentlicht haben und nicht in ihrer Heimat. Obwohl sonst eigentlich Electro-Klänge die „schwarze Szene“ beherrschen, scheint es immer noch eine kleine, aber treue Schar von Anhängern des guten alten Gothic-Rocks zu geben und die wird sich über diese CD gleich doppelt freuen. Zum einen, weil die sonst schwer erhältlichen früheren EPs hier noch einmal Revue passieren und weil zum anderen neue Tracks präsentiert werden. Dass diese unterschiedlichen Aufnahmen nahtlos ineinander übergehen zeugt nur von der großen kompositorischen Qualität der Songs.

Musikalisch bewegt die Band sich überwiegend in Ami-Death-Rock-Gefilden der klassischen Art. Schöne Gitarren, wie man sie von Screams For Tina kennt, prägnanter Bass und ein mittelschnelles Schlagzeug verbinden sich mit dem unverstellten Gesang, der natürlich klingt und nicht in die albernen Tiefenregionen so mancher Brit-Goth-Band runtergeschraubt wird.

So klingen FRANK THE BAPTIST überhaupt nicht verstaubt, sondern eingängig und doch nicht oberflächlich. Mit dem Screams For Tina-Vergleich liegt man schon ganz richtig, dazu eine ordentliche Portion Wave-Atmosphäre und hier und da Anklänge an andere Größen des Genres, alles vermengt zu einem recht eigenständigen FRANK THE BAPTIST-Sound, das sollte doch Appetit auf mehr machen, oder? Dass dabei auch der eine oder andere bereits erprobte Tanzflächenknaller abfällt, überrascht da schon nicht mehr, sei es nun das knackige „Silver Is Her Color“, oder die schon bekannteren Tracks wie „Bleeding In My Arms“ und „Echoes Of Never“.

Den üblichen Gothic-Rock-Klischees entkommt die Gruppe mit Leichtigkeit, für reinen Death-Rock fehlt jedoch ein bisschen die Rotzigkeit, man findet sich irgendwo dazwischen wieder und schafft sich so seine eigene, fast konkurrenzlose Nische, von der aus die Jungs sich aufmachen, um die (Musik-)Welt zu erobern. Hoffentlich gibt es noch genug Leute, die jenseits aller Dark-Wave- und Future-Pop-Langweiler auch noch Spaß an feinem, dunklem Gitarren-Sound haben...

Absolut lobenswert ist auch das edel gestaltete Booklet. Mit derart qualitativ hochwertigen Releases (siehe auch die CD von Murder At The Registry) hilft Strobelight-Records ein Genre am Leben zu erhalten, das schon lange röchelnd am Boden zu liegen schien oder durch übelste Gothic-Metal-Bands kommerziell ausgebeutet wird. (A.P.)