BACK AGAIN webzine

EXCESSION – The Writing On The Wall (MCD 2004)

(Celestial Records/Strobelight Records www.strobelight-records.com )

Während es in Deutschland Gothic-Rock Bands immer noch schwer haben, sich mit ihren Alben durchzusetzen (obwohl das in letzter Zeit doch etwas besser geworden ist), wird in England dieser Stil immer noch auf dem etwas aus der Mode gekommenen Format der Maxi-CD verbreitet, was nicht heißt, dass Gothic-Rock auf der Insel ein großes Thema ist, aber zumindest trauen sich Bands dort auch mal mit einer Single an die Öffentlichkeit.

EXCESSION ist das neue Projekt des ehemaligen Vendemmian (auch so eine leider fast vergessene Band aus den 90ern...) Musikers Dave zusammen mit seiner Frau Yasmin, die für den Gesang zuständig ist. Den Vertrieb im deutschsprachigen Raum hat das Label Strobelight Records übernommen und man darf hoffen, dass deren guter Name für eine Verbreitung in der Szene sorgen wird.

Das Cover der CD ist sehr stimmungsvoll, obwohl es einfach gehalten ist. Dazu steht im Waschzettel „4 AD feeling für das neue Jahrtausend“. Das schraubt meine Erwartungen natürlich nach oben, immerhin war 4 AD in den 80ern das wohl beste Plattenlabel überhaupt!

Tatsächlich beginnt der Titeltrack „The Writing On The Wall“ fast wie ein Clan Of Xymox Track aus ihrer Zeit bei 4 AD, wird dann aber eher zu einem atmosphärischen Gothic-Rock-Stück (mit einigen elektronischen Elementen) im Stile von Inkubus Sukkubus oder den leider auch nicht mehr so bekannten Die Laughing. Bei Sängerinnen in diesem Musikstil denkt man natürlich auch immer schnell an All About Eve oder Ghost Dance...alle diese Bands haben zumindest Spuren hinterlassen. Dazu sehr schöne Goth-Gitarren...so mag ich es. Der zweite Track „Souls“ führt den Stil des ersten Songs konsequent weiter. Beide Songs sind absolut überzeugend und dürften allen Fans des typischen 90er-Brit-Goth vor Freude die Tränen in die Augen treiben. Vielleicht hätte die Produktion noch etwas druckvoller ausfallen können, aber zumindest live werden da sicher keine Wünsche offen bleiben und auf dem angekündigten Album hoffentlich auch nicht.

Ich habe tatsächlich überlegt, ob ich den Remix von „The Writing On The Wall“ in dieser Besprechung gar nicht erwähne, tue es aber aus Vollständigkeitsgründen doch. Leider ist dieser Electro-Remix völlig belanglos und entweder will man mit aller Macht in die Clubs gelangen oder die Musiker hatten bei den Aufnahmen noch so viel Studiozeit übrig, dass sie aus Langeweile diesen Mix angefertigt haben. Mit Gothic (-Rock) hat das nichts mehr zu tun, aber auch Future-Pop-Fans sollten sich nicht zu früh freuen, denn davon ist auch nichts zu hören. Unnötig, aber in der heutigen Zeit wohl nicht verzichtbar, wenn man Erfolg haben will. Bei mir wird sich das Anhören dieser Maxi-CD in Zukunft garantiert auf die ersten beiden, sehr schönen Titel beschränken. Diese machen den Kauf der CD auch alleine lohnenswert. (A.P.)